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MICHAELISMARKT

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WIR FREUEN UNS AUF EUCH

SONNTAG: 121 OKTOBER ´26


Eisenverhüttung in Schönau


Die Wurzeln der Eisenverhüttung in Schönau reichen zurück bis ins späte

15. Jahrhundert und zeugen auch in einem kleinen Dorf wie Schönau vom Wechselspiel der Geschichte: Da die Eisenherstellung stets als wichtiger Wirtschaftszweig galt, wurde das Hüttenwerk mehrmals zerstört, geplündert und neu aufgebaut, so etwa im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges oder 1792 durch französische Revolutionstruppen. Die für die Eisenverarbeitung benötigte Infrastruktur hat nicht nur Schönau, sondern auch die ganze Umgebung maßgeblich beeinflusst. Ein Teil des Erzes stammte aus der Erzgrube des St.-Anna-Stollens in Nothweiler, wurde mithilfe der in den umliegenden Wäldern gewonnen Holzkohle verhüttet und in Formen gegossen oder in anderen Werken, wie etwa dem Saarbacher Hammerwerk, weiterverarbeitet. Seine letzte Blütezeit verdankte das Schönauer Hüttenwerk Freiherr Ludwig von Gienanth, der sich nicht nur aufgrund seiner unternehmerischen Tätigkeit, sondern auch mit seinem sozialen Engagement um das Dorf und seine Einwohner verdient gemacht hat.


Die Familie Gienanth und die Eisenverarbeitung


Der Name Gienanth ist untrennbar mit der Eisenverarbeitung verwoben. Der nach dem Dreißigjährigen Krieg aus der Schweiz in die Pfalz eingewanderte Schmied Pierre/Peter Guinand legte in Gimmeldingen bei Neustadt den Grundstein und seine Söhne, die allesamt das Schmiedehandwerk erlernten, verfolgten den eingeschlagenen Weg weiter. Sein Enkel Johann Nikolaus Gienanth verlegte sich dann als Pächter zweier Schmelzen auf die Produktion von Roh- und Gusseisen und errichtete 1742 den ersten firmeneigenen Hochofen in Hochstein bei Winnweiler. 1750 übernahm sein ältester Sohn Johann Jakob Gienanth die Werksleitung, erweiterte das Unternehmen durch mehrere Pachtverträge und stieg zum Kurpfälzischen Bergrat auf. Nach dessen Tod 1777 führte seine Witwe den Betrieb mit ihrem Sohn Johann Gideon Gienanth fort, bevor sie dessen Bruder Ludwig 1795 mit der Gesamtleitung der Gienanth-Werke in Hochstein, Trippstadt und Altleiningen betraute.


Ludwig von Gienanth in Schönau


Ludwig von Gienanth sollte sich als geschickter Unternehmer erweisen: Er verstand es, seine Werke sowohl durch die Wirren der Eroberungen infolge der frz. Revolution als auch

die Napoleonischen Kriege zu steuern und es gelang ihm, seinen eigenen Wohlstand und den seiner Werke zu mehren und auch zunehmenden politischen Einfluss zu gewinnen. Um die Versorgung der Hütten mit Holzkohle zu sichern, stieg er sogar zum zweitgrößten Waldbesitzer der Pfalz auf. Bereits 1816 zählte Ludwig von Gienanth zu den einflussreichsten Bürgern der Pfalz und im Laufe seines Lebens werden ihm mehrere Ehrungen zuteil, deren wichtigste zweifelsohne die Erhebung in den Freiherrenstand durch König Ludwig I. im Jahre 1835 zählt. Ebenfalls 1835 erwarb Ludwig von Gienanth - wohl gegen den Rat seiner Söhne - das eher marode Schönauer Hüttenwerk. Mithilfe umfangreicher Investitionen und Modernisierungen konnte das Werk zwar arbeiten, musste aber aufgrund mehrerer Faktoren stets um sein Dasein kämpfen. Einerseits konnte nämlich der Bedarf an Holzkohle kaum noch gedeckt werden, was deren Preis in die Höhe trieb, andererseits sank der Preis für Eisen und Eisenwaren um bis zu 25%, was u.a. der wachsenden Konkurrenz aus "Rheinpreußen" (Saargebiet) und dem Ausland (v.a. England) zuschulden war. Allen Widrigkeiten zum Trotz weigerte sich von Gienanth, billigere Waren von minderer Qualität zu produzieren. In gewisser Weise musste sich Ludwig von Gienanth in die Region verliebt haben, denn in seinem neuen Arbeitsumfeld schien er regelrecht aufzublühen, wie sein Sohn Friedrich in einem Brief an seinen Schwiegervater berichtet. Und für Schönau erwies sich die Unternehmung als ausgesprochener Glücksfall. Das Engagement Ludwigs von Gienanth beschränkte sich nämlich nicht nur auf sein Hüttenwerk, sondern erstreckte sich vielmehr auf die gesamte Region. Er initiierte Arbeitsprogramme zur Austrocknung von Sümpfen, der Bachregulierung und dem Straßenbau. Er setzte sich für das leibliche und soziale Wohl seiner Arbeiter ein, überließ ihnen kostenlose Wiesen, Äcker und Gärten, errichtete Werkswohnungen und gründete u.a. die "Gienanth'sche Rentenstiftung". Überliefert sind ferner zahlreiche Geldgeschenke an Bedürftige. Am 13. Dezember 1848 verstarb Ludwig von Gienanth im Alter von 82 Jahren in Schönau.


Das Hüttenwerk nach 1848


Gemäß seines Testaments fielen das Schönauer Hüttenwerk wie auch der Saarbacher Hammer je zur Hälfte an seine beiden Töchter und damit in die Ägide seines Schwiegersohns, Freiherr Gustav von Gemmingen. Dieser unternimmt in der Folge den Versuch, das Werk durch Investitionen rentabler zu machen, was jedoch nicht von Erfolg gekrönt scheint. Nach seinem und dem Tod seiner Frau Amalie soll das Werk versteigert werden, es findet sich jedoch kein Käufer. Der Versuch, ein Stahlwerk zu errichten, schlägt fehl und das Werk ist bis Anfang der 1860er Jahre beinahe gänzlich unrentabel geworden.

1865 wurden zunächst die Erzgruben verkauft, bevor am 3. August desselben Jahres auch das Werk selbst an den Großhändler Wilhelm Brummer aus Amsterdam veräußert wurde. 1867 initiierte dieser die Gründung der "Aktiengesellschaft Schönauer Hüttenwerk". Versuche, Gelder zu akquirieren, scheiterten und das Werk überdauerte noch bis 1880, als die Gesellschaft sich zur Liquidierung entschloss, die sich bis 1883 hinzog. Die neuen Eigentümer kauften das Werk wohl in erster Linie, um einen Konkurrenten auszuschalten, hatten kein Interesse an dessen Weiterbetrieb und legten es schließlich still. Um 1890 herum wurde das Werk in Teilen zurückgebaut und noch brauchbare Teile nach Niederbronn verbracht. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden die Überreste für andere Bauprojekte abgebrochen.


Das Gienanth-Haus


Das "Herrenhaus" wurde 1839 von Ludwig von Gienanth, vermutlich unter der Ägide seines Baumeisters Christian Gerlach, als Direktions- und Wohngebäude errichtet. 1885 wurde es vom neuen Werksbesitzer de Dietrich der Gemeinde zum Kauf angeboten, die es gemäß Kaufurkunde vom 22. Februar 1886 zum Preis von 13.000 Mark erwarb. Es bot darauf hin Platz für die evangelische und die katholische Schule, Lehrerwohnungen, Gemeindebüro, die örtliche Gendarmeriestation sowie für Mietwohnungen. Einer der als Ökonomiegebäude errichteten Vorbauten, von denen heute nur noch einer existiert, fand als Spritzenhaus Verwendung. An der Giebelspitze des Hauses, dort wo sich heute das runde Fenster befindet, war damals eine Uhr eingelassen, die als eine Art Wahrzeichen angesehen wurde. Im Jahr XXXX wurde das Gienanth-Haus aufwändig saniert und dient seither als Dorfgemeinschaftshaus, in dem nicht nur der örtliche Kindergarten, sondern auch die Amtsstube des Bürgermeisters und die öffentliche Bücherei ihren Platz gefunden haben. Im ersten Obergeschoss befindet sich ferner ein großer Festsaal.