Auszug aus der Chronik "Schönau/Pfalz"

Wie das Burgenland um Schönau entstand

Nicht leicht findet sich in den mit Burgen und Burgruinen reich gesegneten Landstrichen der Pfalz und des Elsasses ein ähnliches Fleckchen Erde wie das „Dreiländereck" auf der Grenzscheide zwischen Elsaß, Lothringen und der Pfalz bei Schönau, wo eine Vielzahl altersgrauer Felsenburgen die trutzigen Überreste ihrer einst so wehrhaften Schildmauern und Turmbauten von steilen Berghängen und Felsenriffen aus, zum Himmel emporstrecken. Allein 7 Burgruinen gruppieren sich halbkreisförmig um den bekannten Erholungsort Schönau: von der aussichtsreichen Wegelnburg im Osten, über die auf gleichem Bergrücken gelegenen Ruinen Hohenburg, Löwenstein und Fleckenstein, bis zur südlich des Sauerbaches in einsamer Waldesschlucht versteckten Frönsburg und den im Westen die Abhänge des Maimonts beherrschenden Burgen Wasigenstein und Blumenstein.

Auch in der angrenzenden Nachbarschaft findet diese Häufung von Burgen ihre Fortsetzung. Besonders die bewaldeten und meist felsbekrönten Bergkegel im Umkreis des pfälzischen Städtchens Dahn und um die beiden unterelsässischen Ortschaften Obersteinbach und Niederbronn tragen weitere berühmte und sagenumwobene Burgruinen, die dieser Gegend einen besonderen Reiz geben. Sie prägen zusammen mit den bizarren und phantastischen Felsbildungen des Buntsandsteins das charakteristische Bild dieser beeindruckenden Gebirgslandschaft am Schnittpunkt des pfälzischen Wasgaus und der elsässischen Nordvogesen.
Die landschaftliche Eigenart der hochaufragenden Felsformationen, Felsriffe und -türme aus relativ weichem Sandstein „ließen hier Felsenburgen entstehen, welche die natürlichen Gegebenheiten für Verteidigungszwecke ausgenutzt haben. So wurden Treppen und Kammern, Wohn- und Vorratsräume in den Felsen gehauen und hochaufragende Fels- blöcke zu natürlichen Türmen und Bergfrieden ausgebaut.
Meist am Ende eines Bergvorsprunges, auf in das Tal hineinragende Felsnasen oder Plateaus gebaut, wie das z.B. bei den Bergfesten Wasigenstein, Frönsburg oder Blumenstein der Fall ist, beherrschten und überwachten diese Burgen die nahen Talwege und gestatteten der Besatzung auf Grund der Spornlage die Möglichkeit schneller Ausfälle. Um einer Bedrohung von dem höher gelegenen Hauptberg zu begegnen, wurde an der Angriffsseite in der Regel ein breiter Halsgraben aus dem Fels geschrotet, Ihn überquerte gewöhnlich eine Zugbrücke und führte durch das Burgtor in das oft durch hohe und starke Schildmauern gesicherte dahinterliegende Burginnere mit den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, der Kapelle, dem Bergfried als letzten Zufluchtsort und den Ringmauern und Mauertürmen mit ihren verdeckten und geschützten Wehrgängen. Ähnlich wie die meisten anderen pfälzischen und elsässischen Burgen und Bergschlösser verdanken auch die Burgen um Schönau ihre Entstehung der Glanzperiode mittelalterlicher Feudalherrschaft und der Blütezeit des Rittertums, dessen höchste Kraftentfaltung unter die Regierungszeit der Herrscher aus dem Staufergeschlecht fiel. Ursprünglich ein Vorrecht des Königs, ging das Recht des Burgenbaues mit dem Aufstieg des Hochadels auch auf Fürsten, Grafen, Bischöfe und Äbte über. Nicht selten jedoch schufen diese auch aus eigener Machtvollkommenheit Wohnsitze in sicherer und geschützter Lage. Besonders in den Krisenzeiten des Reiches, wie etwa während der Auseinandersetzung Heinrichs IV. mit dem Papsttum (Investiturstreit), gelang es den deutschen Fürsten geschickt, die Schwächung der Zentralgewalt auszunutzen und die eigene territoriale Macht immer mehr zu erweitern.


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