Käthchen war dem jungen Förster Gero zugetan, welcher im Auftrage ihres Vaters die Wälder um das Schloss verwaltete und dort auch die Jagd ausübte. Aus beiden sollte ein Paar werden, so wollte es Oswin von Blumenstein, Katharinas Vater. Gero gehörte zwar nicht dem Ritterstande an, aber Burgherr Oswin war von dem jungen Förster sehr angetan und war mit seiner Arbeit über die Maßen zufrieden, sodass er die baldige Vermählung der jungen Leute beschlossen hatte.

Alljährlich in der Winterszeit wurde im Blumensteiner Forst das Brenn- und Bauholz geschlagen, welches für das kommende Jahr von den Burgbewohnern benötigt wurde. Förster Gero nahm deswegen junge Männer in Lohn und Brot um sie bei der schweren und harten Waldarbeit einzusetzen. Es waren durchweg einfache und ungebildete Burschen, die im Umfeld der Burg Blumenstein und der benachbarten Burgen lebten. Unter den Holzfällern befand sich auch ein besonders wilder und roher Geselle aus dem Fleckensteinischen mit Namen Lutzhold. Er hatte Gero und Käthchen schon öfters heimlich und verstohlen beobachtet und Neid, Eifersucht und auch Verlangen nach der schönen Jungfrau machten sich in seinem dunklen Gemüte breit.

An einem kalten Wintermorgen ritt Käthchen in den Wald, um ihren Liebsten mit heißer Brotsuppe zu versorgen. Als sie die Burg durch die kleine Hinterpforte verlassen hatte und den steilen Burghang hinab ritt, verstellte ihr plötzlich Lutzhold den Weg, in der Hand die klobig schwere Axt drohend gegen Käthchen erhoben. Ob des plötzlichen Anblickes scheute Katharinas Pferd und bäumte sich hoch auf. Käthchen, die sich nicht mehr halten konnte, rutschte aus dem Sattel und fiel vor Lutzhold auf den hart gefrorenen Waldboden. Gierig und wie von Sinnen warf sich der Unhold auf die vor Schreck und Kälte zitternde Maid und wollte ihr böse Gewalt antun.

Als ob Gero geahnt hätte, welche Gefahr seiner Liebsten drohte, stand er plötzlich hinter Lutzhold und stieß im die mitgeführte Saufeder mit aller Kraft in den Rücken. Obwohl sein dickes Winterwams die Härte des Stiches milderte, schrie Lutzhold vor Schmerz auf und ließ von Käthchen ab. Noch im Aufstehen ergriff er seine neben ihm liegende Axt und stürzte sich damit wutentbrannt auf Gero. Mit einem einzigen kraftvollen Hieb trennte er Geros Kopf vom Körper. Wie versteinert beobachtete Katharina das grausige Geschehen, unfähig um Hilfe zu rufen oder gar ihrem Liebsten zu helfen. Lutzhold aber, dessen Gesicht sich zu einer teuflischen Fratze verwandelt hatte, hob Geros blutüberströmtes Haupt vom Boden auf und überreichte es Katharina mit einer ungelenken und hämischen Verbeugung.

Käthchen, die das Endgültige des soeben Geschehenen noch gar nicht erfasst hatte, nahm den Kopf ihres Liebsten, wickelte ihn sorgfältig in ihren Reitloden und ritt zur Burg zurück. Dort angekommen wurde ihr mit einem Schlage bewusst, dass ihr geliebter Gero nicht mehr war und dass ihre gemeinsame und so rosig ausgemalte Zukunft dahin war. Sie bestieg voller Verzweiflung die höchste Burgzinne und schaute noch einmal über den Blumensteiner Wald, dorthin, wo sie mit ihrem Liebsten so frohe und süße Stunden verbracht hatte. Dann stürzte sie sich mit einem klagenden Wehschrei in die Tiefe, den Kopf ihres Liebsten fest unterm Arm. Ihr langes blondes Haar löste sich im Sturze auf und flatterte wie ein goldener Schweif hinterdrein.

erzählt von Heinrich Müller


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Der Blumenstein um 1900
Die gruselige aber wahre Geschichte
von der...

Blumensteiner-Schlosskätt

Um das Jahr 1250 lebte auf der Burg Blumenstein eine lieblich holde Maid mit Namen Katharina. Sie war des Burgherrn Töchterlein und war wegen ihres frohen und heiteren Gemütes bei allen Burgbewohnern sehr beliebt und wurde allgemein nur "das Käthchen" genannt.